Fülle mir den Becher, Schenke,
denn der Morgen taget hell,
Aber eile und bedenke,
daß der Himmel kreiset schnell.

Wenn dereinst aus meiner Asche
Kunst des Meisters Krüge schafft,
Füllt sie aus des Magiers Flasche
mit der Rebe Edelsaft!

Laß, eh’ wir die Stunde sehen,
da die Welt in Trümmer stürzt,
Lieber uns zugrunde gehen
beim Pokal, den Freude würzt!

Wähnet nicht, es wirk’ Bekehrung
eure Predigt, lang und breit,
Redet lieber mit Verehrung
von dem Trank der Lauterkeit!

Flieh die Träume der Verblendung,
willst du wahre Wonne kosten,
Und die Sonne der Vollendung
steigt dir aus des Bechers Osten!

Wer der Liebe Wein ergeben,
säet guter Werke Saat;
Gutes Werk sollst du erstreben –
darum, Hafis, auf zur Tat!

(Übersetzung: G. Jacob)

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